Re: Wieso offene Netze im Auto? Zuviel Elektronik! – IT-Sicherheit für das Auto

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Posted 27 Mar 2008 in Allgemein

> Soweit ich das verstanden habe, wird hier das interne Netz durch
> externe Störimpulse lahmgelegt bzw. “irritiert”. So wie der TÜV bei
Hm, das sind doch altbekannte Probleme, die schon immer bestanden,
wenn ein Auto unter ner Hochspannungsleitung durchfährt oder ein
CB-Funker mit Nachbrenner sendet. Die heutigen Netze sollten da
sicher sein. Jedenfalls dürfte das nicht viel mit “IT-Sicherheit” und
Virenanfälligkeit zu tun haben…
> Ein gutes Beispiel für vollelektronische Systeme die ja auch durchaus
> als sicher eingestuft werden, kennen wir ja schon: Flugzeuge.
> Fly-by-wire ist da schon seit Jahren “state of the art”, die
Würdest du dem auch bei Autos, die im Fernen Osten unter enormen
Kostendruck produziert werden, vertrauen? Ich bin sicher, es wird
hierbei ein paar Redundanzsstufen und ein paar Testläufe weniger
geben. Von dem Innovationsdruck, der uns heute schon halb ausgegarene
Nullserien bei Autos oder PC-Komponenten beschert, ganz zu schweigen.
> Im Auto findet sich genau das alles sehr dicht gedrängt im Cockpit.
> Selbst wenn Airlines meiner Meinung nach da etwas überempfindlich
Tja, _das_ ist allerdings wahr. Meine Werkstatt und ich suchen gerade
verzweifelt den Grund, warum die Displayschrift meines Autoradios mit
der Zeit immer blasser wird…
> Und da würde es mich dann schon beruhigen, wenn wenigstens Lenkung
> und Bremsen unabhängig von elektronischen Störgrößen ihren Dienst
Genau! :-)
> > Und muss dieses Gateway denn unbedingt ein PC-basiertes System sein,
> > für das man dann auch noch TCPA braucht? Das sind doch Probleme, die
> Sicher nicht. Nur was ist in ein paar jahren mit der
> Ersatzteilversorgung? Wer heute noch einen “Oldie” mit z.B. einer
Naja, der Embeddedmarkt setzt hier vollkommen andere Maßstäbe an als
der Consumerbereich. In der Industrie setzt man grundsätzlich auf
Komponenten mit garantierter Versorgung (ein Grund, warum es MS
schwer hat, da reinzukommen). Bei den CPU-Herstellern z.B. gibt es
Modelle, deren Lieferbarkeit über 20 Jahre zugesichert ist. Wir
verbauen heute in unsere Terminals noch Pentium Tillamook
(stromsparender Pentium I) mit 266MHz, und die sind ohne weiteres zu
beziehen, weil es ein Embedded-Produkt ist. Im Autosektor werden 20
Jahre angesetzt, solange wird es auch Teile geben.
> “PC basiert” müßte in diesem Fall ja nicht unbedingt bedeuten, daß da
> ein kompletter PC verbaut wird – aber immerhin könnten es
Naja, was ist “PC-basiert” weniger als ein (Embedded-)PC? Ich denke,
man wird hier auf die “PC-Software” abzielen. Virenanfällig sind in
erster Linie Windowsrechner. Schon bei Linux brauchst du dir da
weniger Sorgen machen. Setzt man z.B. ein gehärtetes Linux oder
Spezialisten wie QNX ein, ist das Thema Virus gegessen. Allerdings
denke ich auch, dass es durchaus Alternativen zur (“Hardware”)
PC-Plattform gibt, weil diese nicht sehr effizient und
ressourcensparend ist. Ich denke da unter anderem an ARM-basierte
Architekturen, die mit sehr viel weniger Hardware und Energie
ähnliches leisten können.
> Autotelefon ein “standard-mute” Signal geben, und alle Autoradios
> wüßten, was zu tun wäre. Oder eben ein Navi-System bei Bedarf mit
> jedem Handy kommunizieren (Bluetooth hält ja nun schon langsam
> Einzug, wäre doch mal ein Start).
Ersteres ist heute schon Standard. Zweites sollte nach dem
BT-Standard schon längst überall funktionieren, wenn sie nicht
dauernd die Profile ändern (neue erstellen, alte abschaffen) würden.
> Reduziert zum Einen eben das Kabel-Wirrwar (durch Verwendung eines
> gemeinsamen Bus-Systems für mehrere Komponenten), erhöht aber eben
> genau dadurch auch die Störanfälligkeit (ein Bus gestört – mehrere
Richtig. Wenn das Infotainment gestört ist, dann gibt’s halt kein
Radio. Wichtig sind die vitalen Systeme wie Motorsteuerung und ABS.
Das sind heute unabhängige Bussysteme, meist CAN, die lediglich über
ein Diagnose-Gateway an den Rest des Systems angebunden sind: Das
Radio bekommt sehr wohl die Tachoinformationen, aber die Daten gehen
eben nur in dieser Richtung.
> Ich denke, Autohersteller hoffen eher die Kosten ihrer Produktion zu
> senken: wenn ich in alle Fahrzeuge einer Baureihe einen Motor mit
> allen Anbauteilen und Extras mit x PS/KW einbaue, habe ich eine
Genau das ist des Pudels Kern. Es geht um Verbilligung. Und meiner
Meinung nach gibt es einen Punkt, eine Strategie, die nicht mehr
verbilligbar ist, ohne die Sicherheit zu reduzieren. Und ich fürchte,
genau das wird uns blühen. Schon heute müssen die fetten BMWs oder
Daimlers zum Softwareupdate in die Werkstatt, weil irgendwas doch
nicht so recht funktioniert. Früher unvorstellbar, da nicht so
komplex und viel mehr Tests.
> Nur mal so ins Grobe geschrieben – aber ich bin sicher, daß sich da
> das eine oder andere bei scharfer Kalkulation schon rechnen würde. :-) Das glaube ich auch. Nur glaube ich auch, dass der Drittmarkt,
wie dubios auch immer, das sehr willkommen heisst. Gut, ich lasse mir
von einem Hacker das ABS nicht tunen, aber der, der mir mit 180km/h
entgegenkommt, vielleicht?
> Was wäre denn z.B. von “Anfängerautos” zu halten, die für das erste
> Jahr die maximale Geschwindigkeit z.B. auf 120 km/h begrenzen, oder
> eben die Leistung auf 50 PS reduzieren? Beim Kauf wird elektronisch
Reizende und durchaus vernünftige Idee. Ob sich sowas bei
Fahranfängern gut verkauft? Wohl kaum.
> wurde). Wie würden Versicherungen auf so ein zusätzliches
> “Sicherheitsfeature” anspringen, und so z.B. diese horrenden
> Anfänger-Versicherungsprämien zumindest etwas stutzen?
Die Versicherungen holen sich die Fahrzeugdaten online aus dem Auto,
natürlich nicht beeinfluss- und abschaltbar. Bist du ein Jahr lang
anständig gefahren, zahlste weniger. Bei 3 Bußgeldfällen und
entsprechenden Beschleunigungsgradienten in Verbindung mit häufigem
Fahrerwechsel und überwiegenden Nachtfahrten von und zu Discos wird
dir der “Jungfahreraufschlag” automatisch aufgerechnet. Alles
vollautomatisch. Gute Nacht Datenschutz.
> elektronischer Manipulation erwarten. Das einzige Problem dabei: wie
> kann ich Fehlfunktionen von gezielten Manipulationen unterscheiden
> und diese dann auch entsprechend nachweisen?
Du würdest Kulleraugen kriegen, wenn du wüsstest, was ein moderner
Golf alles in seinem Bordcomputer speichert. Da liest man dann sowas
aus.
> Schon wieder ein ganz neuer Geschäftsbereich, der sich da eröffnet -
> forensic car data analysis…
**grins** aber nicht abwegig: das wird auch schon heftig diskutiert!
> > Servicewerkstatt bei Tempo 180 eine neue Motor- und Bremssteuerung
> > einspielt.
> Also sowas könnte man ja nun durch eine entsprechende
> Sicherheitsschaltung verhindern – die Software wird zwar schon mal
> geladen, steht aber eben erst beim “Neustart” des Fahrzeugs auch
Genau. Leider reagiert mein Auto etwas unwirsch drauf, weil die neue
Software mit meinem derzeitigen Radstand ein unvorhergesehenes
Problem hat. Wäre ja nicht so schlimm, wenn ich grade auf dem
Werkstatthof stünde. Aber hier, in den tiefsten Bergen Österreichs
neben der Einsiedlerhütte…? (know what I mean?)
> > Software lösbar ist. Was nutzt mir ein perfekt abgeschirmtes
> > Computernetz im Auto, wenn mir ein Rad abfällt oder der Keilriemen
> Einfache Antwort: nichts. Andererseits könnte eine entsprechend mit
> Sensorik ausgestattete Maschine eine Unwucht am Rad erkennen bzw.
> Schlupf…
Hi, noch mehr Sensoren, die kaputt gehen können, Software, die falsch
läuft, Elektronik, die den Hitzetod sterben kann? Merke: je komplexer
und je mehr Technik, desto eher eine Fehlfunktion. Das ist ein
Naturgesetz :-)
> Fahrzeughersteller schafft das Lichtsystem in einem KFZ automatisch
> und vollelektronisch vor Antrit der Fahrt wie auch im laufenden
Ha! Genau _das_ frage ich mich auch schon seit meinem ersten Opel
Corsa! Dabei ist das noch relativ einfach zu machen und würde der
Sicherheit auf passivem Wege sehr helfen! Wenn ich sehe, wieviele
“blind” auf den Straßen rumfahren, ohne es zu merken…
> auch schon, wieso nicht Selbsttests für die Elektrik und Elektronik
> im Fahrzeug?
Die Elektronik wird schon jedesmal beim Einschalten gestestet. Das
sind die netten Lichter im Cockpit beim Einschalten der Zündung. Aber
auch hier gilt eine grundsätzliche Eigenschaft: ein Gerät kann sie
nie 100%ig selbst testen. Und ob es Daten eines defekten/dejustierten
Sensors auch als unzuverlässig erkennt, bleibt dahingestellt: ein
Airbag löst halt aus oder nicht, wer weiss das vorher (nach 10 Jahren
lösen nur noch 50% aller Airbags aus, Quelle: intern Daimler). Und
sogar manches Flugzeug machte schon Crash, weil der Höhenmesser
vereist war.
> Auch mir ist
> aber ein zuverlässiges Fahrzeug lieber, als ein von “Featureitis”
> geplagtes Teil, das andauernd in der Werkstatt stehen muß.
Stimmt!
> Steer-by-wire/break-by-wire: technisch schon lange möglich und damit
> Sicherheitsreserven, die wir aus dem Flugzeugbau kennen. Und können
> diese nicht ereeicht werden, gehört das System eben (noch) nicht ins
> Fahrzeug. Hier muß Vernunft über Marketing siegen,
Würde ich auch so sagen. Leider haben da die Marketingleute
grundsätzlich ne andere Intention. Ich kenne das leidlich aus meiner
Firma, die auch munter verkauft, was noch gar nicht entwickelt wurde :-)
Gruß!


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